Special Exhibition:
9. September – 29. November 2008
Shedrach Uzenab
New Paintings

Vom 9. September bis 29. November 2008 sind in der «Galerie Africana» neben authentischen afrikanischen Objekten aus Nigeria neue Werke und Texte des zeitgenössischen Künstlers Shedrach Uzenab zu sehen.

Der Künstler wurde in Igueben, Nigeria geboren. Als Sohn eines traditionellen Würdenträgers wuchs er mit den Riten und Hierarchien des den Yoruba nahe stehenden Edovolkes auf. Als junger Mann entschied er sich, zum Christentum zu konvertieren, woraus sein Vorname Shedrach erwuchs. Er lebte zwischen den traditionellen Ritualen der Edo und dem Glauben an den christlichen Gott. Mit seinem Entschluss, in Europa zu leben, setzte er sich weiteren Kontrasten und Widersprüchen aus.

Heute lebt Shedrach Uzenab in Rotkreuz im Kanton Zug und schafft Werke, in denen sich seine vielen Gesichter und unterschiedlichen Lebenswelten niederschlagen. Westliche Zeichen finden sich neben Ausdrucksformen, die durch seine nigerianische Herkunft geprägt sind. Banales mischt sich mit Erhabenem und Übersinnlichem. So gesellen sich Insignien der Popkultur wie selbstverständlich zu Symbolen des Christentums und solchen aus der spirituellen Welt der Edo.

Uzenabs Bildsprache erinnert entfernt an jene seines bekannten Landesgenossen «Twins Seven Seven». Sie ist verwandt mit den Gestaltungsweisen der Yoruba, ist aber eigenwilliger und sehr vielgestaltig. Das Autodidaktische und Naiv-Spielerische kann man in den Werken ebenso entdecken wie eine grosse Abstraktionsfähigkeit. Reduzierte Sujets finden sich neben ausformulierten Figuren. Detailverliebte Äusserungen wechseln sich mit grosszügig vereinfachten Gesten ab. Anleihen an den Comic mischen sich mit ungegenständlicher Malerei. Einmal beherrscht eine strenge Geometrie das Bild, ein andermal wirken die Elemente wie zufällig hingeworfen. So entsteht ein unverkennbarer Stil, der sich gängigen Kriterien entzieht.

Werkstoffe stellen für Uzenab eine grosse Faszination dar. Neben Leinwand oder Holz und Farbe werden auch ausrangierte Gegenstände zu wichtigen Elementen seiner Werke. Diese Werke sind mehr Relief als Bild und zeugen von einer unbeschwerten Freude am Material. Die Recyclinghöfe der Schweiz beschreibt Uzenab als Quelle unendlichen Reichtums. Er spricht davon, die Dinge zu befreien, indem er ihnen einen Platz und ihren je eigenen Sinn in seinen Werken gibt.

Die religiöse, politische und gesellschaftliche Situation in seinem Heimatland Nigeria ist ein wiederkehrendes Thema in Uzenabs Kunst. Hoffnungen und Visionen äussern sich darin ebenso wie Resignation und Wut, die er gegenüber den Machthabern empfindet.

„Schau auf mein Land, Nigeria. Oga, unser Führer, ist so pompös, so voluminös, dass er die Hälfte des Landes mit seiner Person füllt. Sein Name ist immer Oga, sein Gesicht immer die gleiche Collage aus einem gierigen Mund mit scharfen Zähnen und niederträchtigem Blick aus den hinter der Sonnenbrille versteckten Augen.“ (Zitat aus Text von Shedrach Uzenab)

Die Frau ist eines der zentralen Motive in seinen Bildern. Frauen sind seine Heldenfiguren, sowohl in Werken, die sich um den Lebensalltag drehen, als auch bei solchen mit weltpolitischem Inhalt. Er sieht in ihrer Stärke und Intelligenz die grösste Chance für Afrika. Ein Vorbild benennt er mit Ellen Johnson Sirleaf, Präsidentin Liberias.

„weise und mächtige Frau,
eine Frau, die einen Männerfurz furzt,
eine Frau, die mit Königen speist,
eine Frau, die die Männer regiert,
eine Frau, die all ihren Afrikanischen Schwestern ein Beispiel ist.“
(Zitat aus Text von Shedrach Uzenab)

Vieles in Uzenabs Schaffen wirkt spontan, doch stecken ganze Geschichten hinter jedem einzelnen Bild. Mit der Übertragung seiner Gedanken und Botschaften in ein visuelles Kunstwerk verändern sie sich. Die einzelnen Elemente in Uzenabs Erzählungen vermengen sich im Bild zu einem gleichzeitigen, rätselhaften Ganzen. Das Bild entfaltet eine von der sprachlichen Erklärung unabhängige Wirkung. Nichts desto trotz bereichern Shedrach Uzenabs Texte oder seine mündlichen, zuweilen ins Performative wechselnden Erläuterungen die Betrachtung seiner Bilder. Sie erinnern in ihrer Struktur an Gesänge und Botschaften, die in den Tänzen der Yoruba ihren Ausdruck finden.

Anna Bühler, Galerie Africana